Vor wenigen Tagen haben mich zwei Funkfreunde kontaktet und mir gesagt, dass Sie aus dem DARC austreten. Die Gründe: Keine Lust mehr, der Amateurfunk stirbt, ich will keinen toten Gaul finanzieren, QSL-Kartenvermittlung benötige ich nicht mehr und die “Funkamateur” ist sowieso besser als die CQ DL.
Gut, höre ich mir so an und meistens ist es ja dann auch zu spät. Ok, Eure Meinung respektiere ich natürlich, muss jeder für sich entscheiden. Kernfrage ist, habt Ihr noch Spaß am Hobby Amateurfunk. Ja, Amateurfunk machen sie beide weiter. Geräte werden jedenfalls nicht abgegeben. Das ist ja schon mal was. Irgendwann packt es einen wieder und die Geräte kann man ja nur mit Verlust verkaufen. Aber der Club? Nee, keinen Bock mehr. Völliges Miss-Management, keine saubere Informationspolitik, Kontakt zu den Mitgliedern ist weg. Die machen doch was die wollen. Mafia, Club alter Männer.
Das ist ja alles gut und schön. In vielen Punkten bin ich sogar der gleichen Meinung. Habe ich vor ein paar Wochen schon mal hier im Blog geschrieben. Und meine Kritik wurde vom DARC auch prompt unterdrückt. Das ist natürlich unmöglich, sowie ich da jemanden wieder mal zu fassen bekomme, sprechen wir mal Klartext.
Wir kommen aber um eine klare Erkenntnis nicht herum:
Die Amateurfunkfrequenzen sind eine kostbare Ressource, mit der die Wirtschaft Geld verdienen will und da reden wir nicht über 100.000 Euro. Denn Frequenzen sind nicht unbegrenzt verfügbar und dass permanent neue Anwendungen auf den Markt drängen, zeigt sich ja im Moment sehr schön bei den Landwirten in den Niederlanden, die auf unseren 70 cm Frequenzen ihre Landmaschinen positionieren und automatisieren. Da werden Rechte schon mal ignoriert oder einfach abgeschafft. PLC steht auch erst am Anfang, freut Euch schon mal auf die neuen digitalen Stromzähler im Keller.
Wenn man also auch in ein paar Jahren noch Amateurfunk machen will, dann müssen die Frequenzen der Funkamateure gesichert und vor Störungen geschützt werden. Von Öffentlichkeits- und Jugendarbeit will ich mal gar nicht erst reden. Dieses Thema sowie alle gesetzgeberischen Vorgänge rund um den Amateurfunk erfordern eine ständige Begleitung und Lobby-Arbeit. Wenn das nicht mehr ausreichend passiert, verschwinden die Rechte und Frequenzen, das ist eine Tatsache und die dauert nur ein paar Jahre. Wer das nicht versteht oder nicht wahr haben will, sollte spätestens hier aufhören zu lesen.
Lobby-Arbeit ist nichts Unanständiges. Es bedeutet nur, Interessen zu vertreten, teilweise mit allen Mitteln. Soweit will ich ja nicht gehen. Sie erfordert aber eine Organisation und kompetente sowie verfügbare Menschen, die den Job erledigen. Entweder habe ich die oder ich muss sie kaufen und bezahlen. Der Amateurfunk, konkret der DARC bzw. der RTA hat sie, – noch.
Klar man kann die OM’s in den Gremien dauernd kritisieren, mag auch teilweise berechtigt sein. Fakt ist aber, sie hängen sich rein und bewegen was. Dafür benötigen sie Unterstützung und das erledigen in der Regel die Mitglieder – und das am Besten in großer Anzahl mit ihren Beiträgen. Konstruktive Kritik ist immer gut und führt im Normalfall zu weiterer Entwicklung.
Aber weder Austritte noch Desorganisation, Spaltung in Splittergruppen oder fragwürdige Beiträge in Internetforen werden bei der Verteidigung unserer Rechte und Frequenzen hilfreich sein.
Jedes ausgetretene Mitglied und jeder nicht organisierte Funkamateur ist ein Sieg für diejenigen, denen unser Hobby schon lange ein Dorn im Auge ist. Das sind die gleichen Gruppen oder Institutionen, die auch auf die Frequenzen scharf sind.
Jeder Funkamateur, der aus dem DARC ausgetreten ist, oder austreten will oder noch nicht organisiert ist und das Hobby auch in Zukunft ausüben möchte, sollte sich das in Ruhe überlegen. Selbst wer nicht aktiv im Verein mitmachen will, weil „ein Verein nicht seine Sache ist“, leistet durch seine Mitgliedschaft einen Beitrag zum Kampf für den Erhalt des Hobbys. Auch wenn es noch tausende Funkamateure gibt, die nicht in einer Organisation gebündelt für die Politik ansprechbar sind, wird dies zu einem Verlust unserer Rechte und Möglichkeiten bzw. Frequenzen führen.
Der Amateurfunk stirbt? Kann sein! Er stirbt aber nicht an den Mitgliedern, die eine Interessenvertretung in der Politik durch ihren Beitrag erst ermöglichen. Die Totengräber sind die anderen, die am Ende nicht bereit sind, ein paar Euro Beitrag, einen Mittag in der Gremienarbeit oder OV-Arbeit oder bei einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung zu opfern. Wenn er stirbt, dann weil er getötet wird durch Nicht-Aktivität und Austritte. Denkt mal darüber nach.
vy 73, Uwe – DL2UL




Meine 100%ige Zustimmung – ausschließlich deshalb bin ich seit 20 Jahren im DARC und werde auch nicht austreten – in Sachen Lobbyarbeit wird ein guter Job gemacht, einen Job den ICH übrings nicht machen wollte.
Was der Club sonst leistet – naja – QSL-Service brauche ich nicht und unser OV bestehrt nur noch aus einer Person…
Amateurfunk ein totes Hobby ? Die Bänder sind voll mit DL-Stationen im Gegensatz zu 11m. Aber es ist schwer Nachwuchs zu gewinnen und hier sollte der DARC mehr tun!
bei allem respespekt. es gibt die möglichkeit des ausbildungsrufzeichens, es gibt die do-lic.
wer fleißig ist und bereit zu lernen, kann diese klasse ohne probleme schaffen. ein weitere noch einfachere klasse unterstützt nur die faulheit und bequemlichkeit. wer wirklich interesse am afu hat, soll sich hinsetzen und lernen. ich bin GEGEN eine neue “leichtklasse”
Ja, das ist ein Standpunkt, von dem ich nicht weit weg wäre, wenn man die Klasse E nicht aufgebohrt hätte. Das war eine für meinen Geschmack eine ausgewogene Einsteigerklasse, die eine Balance zwischen Lernen, Kosten und Erfolgserlebnissen ermöglichte. Die Klasse E in der neuen Form hat zu einem Nachlassen des Interesses geführt.
Hallo Uwe,
ich habe mir deinen Beitrag aufmerksam und mehrfach durchgelesen und stimme deiner Aussage nun im Gesamten zu.
Besonders dein Schlusswort bringt es eigentlich auf den Punkt: Wenn der Amateurfunk stirbt, dann nicht durch die, die irgendwie versuchen, etwas zu bewegen, indem sie sich organisieren, sondern durch die, die nichts tun außer destruktiver Kritik zu äußern – sei es im Internet, im täglichen Leben oder auf den Bändern.
Der Amateurfunk überlebt nur, wenn man Präsenz zeigt – auf den Bändern genau so wie in alltäglichen Situationen des Lebens. Es reicht nicht aus, sich zurück zu lehnen und sich zu denken: Lass die anderen mal machen… Das führt dazu, dass wir schlussendlich gegenüber der Wirtschaft den Kürzeren ziehen werden.
Aus diesem Grunde befürworte ich persönlich auch die Einführung einer Entry-Level-Lizenz, auch wenn ich den Gegenwind zu diesem Thema kenne und ich selbst auch ein wenig Bauchschmerz dabei habe. Aber wenn wir diese Chance “richtig nutzen”, erreichen wir zumindest damit, dass der Kreis der Aktiven sich vergrößert und somit auch evtl. der Kreis derer, die genug Hirn im Kopf haben, um dieses konstruktiv einzusetzen und etwas zu bewegen…
Hallo Kim,
danke für Deinen umfangreichen Kommentar. Deine Zeilen erweitern meinen Beitrag recht gut, denn ich habe den Betrieb auf den Bändern tatsächlich etwas links liegen gelassen. Zur Entry-Level-License habe ich eine ähnliche Einstellung gefunden wie Du. Neueinsteiger wollen nun mal schnell Erfolgserlebnisse und wenn die Hürden zu hoch sind, wenden Sie sich anderen Hobbys zu. Ist heute nun mal so, das rettet uns dann auch nicht, immer an die Zeiten vor 20 Jahren und mehr zu erinnern. Wenn das Hobby weiter in der Gesellschaft, Politik und schließlich auch in der Industrie (die uns ja mit Geräten versorgt) wahrgenommen werden will, müssen auch Menschen da sein, die es ausüben.